Historie
Die Anfänge während des zweiten Weltkrieges
Die Anfänge des Wuppertaler Akkordeon-Orchesters reichen bis in das Jahr 1939 zurück. Damals bildete sich eine Interessengemeinschaft, die sich hauptsächlich aus jungen, teilweise noch schulpflichtigen Menschen zusammensetzte und aus Freude an der Musik mit dem Akkordeon musizierte. Die Leitung dieser Gruppe übernahm Fritz Bildhäuser. Bald jedoch ging der Kreis wieder auseinander. Am 15. Januar 1940 aber gründete ein Teil der weiterhin interessierten Akkordeon-Liebhaber das Wuppertaler Akkordeon-Orchester. Die musikalische Leitung übernahm Fritz Köhler, den Vorsitz Franz Hempel. Bald kamen weitere Spieler hinzu. Im selben Jahr noch gab das Wuppertaler Akkordeon-Orchester Konzerte in Wuppertal, Bochum und Essen. Das Orchester hatte infolge des gerade begonnenen Krieges einen schweren Start. Die Beschaffung geeigneter Noten war kaum möglich, man musste auf Solostücke oder Bearbeitungen für Akkordeon zurückgreifen. An ein polyphones Spiel mit mehreren Stimmen, wie es heute üblich ist, war also damals nicht zu denken. Auch die Besetzung des Orchesters entsprach nicht der heutigen Auffassung, es wurden neben dem Akkordeon auch Geigen und Gitarren eingesetzt. Aber man brauchte jeden Spieler, zumal an einen kontinuierlichen Aufbau des Orchesters durch zahlreiche Einberufungen zur Wehrmacht nicht zu denken war. Natürlich waren davon nicht nur die Spieler, sondern auch die Dirigenten betroffen, von denen in den unvollständig erhalten gebliebenen Unterlagen nur noch Gustav Eichmann und Artur Kirchner genannt sind. Die Kriegslage wurde immer bedrohlicher, und nach dem verheerenden Bombenangriff auf Elberfeld in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni 1943 drohte das Orchester auseinanderzufallen. Männer wie Artur Kämper, Walter Wieß und Gustav Enskat hielten jedoch mit eisernem Willen den Verein zusammen, so dass trotz aller Widrigkeiten weiter musiziert wurde. Im November 1943 übernahm Karl Störmer die musikalische Leitung. Unter seinem Dirigat waren 1944 noch Konzerte möglich, so beispielsweise im großen Saal der Zoo-Gaststätten und im Kursaal von Bad Neuenahr anlässlich einer Vereinsfahrt. Ende Januar 1945 schließlich kam die Orchestertätigkeit bis zum Kriegsende am 8. Mai 1945 völlig zum Erliegen.
Die Nachkriegsjahre
Der Vorsitzende Artur Kämper erlangte von der damaligen Militärregierung die Genehmigung, dass das Wuppertaler Akkordeon-Orchester am Samstag, dem 10. Juni 1945 als erster Verein in Wuppertal seine Orchestertätigkeit wieder aufnehmen durfte. Mit der Gaststätte Ewald Kolbe in Elberfeld wurde ein Vereinslokal gefunden, in dem sich die Mitglieder des Orchesters über Jahrzehnte hin wohlfühlten. Das erste Konzert nach dem Krieg fand am 23. September 1945 im Saal des Hotels Windhövel in Velbert statt. Dem folgte eine Veranstaltung am 5. November in der Elberfelder Stadthalle. Neben dem Musizieren spielte aber auch die Geselligkeit eine große Rolle. Selbst in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren traf man sich beispielsweise zu einem „Fetten Zusammensein". Dazu musste jeder Teilnehmer folgendes beisteuern: 50 g Fleisch, 50 g Brot, 5 g Fett und 2 Kartoffeln. In dieser Zeit führte die Lebensmittelknappheit auch dazu, dass das Wuppertaler Akkordeon-Orchester mit Vorliebe dort auftrat, wo es die Gage in Form von Naturalien erhielt. Das Jahr 1950 sei als markanter Punkt in der Vereinsgeschichte erwähnt. In diesem Jahr erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister als „Wuppertaler Akkordeon-Orchester e.V.". Gleichzeitig trat man dem Deutschen Harmonika-Verband bei. Inzwischen konnte aus einem umfangreichen Repertoire mehrstimmiger Orchesterwerke geschöpft werden. Die Besetzung glich bereits der heutigen, Solostimmen wurden aber noch von Trompeten und Geigen gespielt, der Kontrabass bildete das Fundament. Zahlreiche Kontakte zu verschiedenen Chören und Instrumentalgruppen, die bis in die Niederlande reichten, belebten das Vereinsgeschehen. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen zählten neben eigenen Konzerten Auftritte auf der Hardt, im Zoo, im Fuchspark und in Altenheimen. Zu dieser Zeit standen dem Dirigenten 25-30 Spieler im Alter von 13-30 Jahren zur Verfügung.
1960 - 1989
Anfang der sechziger Jahre traten Spannungen auf, die ein Drittel der Aktiven zum Austritt bewog. Obwohl das Orchester in seiner Arbeit erheblich eingeschränkt war, gelang es doch, anstehende Termine einzuhalten und die musikalischen Aufgaben gut zu meistern. Von 1968 bis 1972 existierte eine Nachwuchs-Spielgruppe, die sich jedoch auflöste, als der Dirigent Karl Störmer aus gesundheitlichen Gründen immer häufiger ausfiel. Darum übernahm Heinz Willi Stöcker, der bisherige Stellvertreter, nach und nach die musikalische Leitung des Orchesters. Im April 1976 verstarb Karl Störmer nach mehr als 30jähriger aktiver Vereinsarbeit. Schon zwei Jahre später starb unerwartet Heinz Willi Stöcker im Alter von 47 Jahren, nachdem er einige Monate zuvor noch für seine 25jährige Mitgliedschaft geehrt worden war. Auf Bitten des Vorstandes erklärte sich seine Frau Helga Stöcker bereit, die musikalische Leitung so lange zu übernehmen, bis ein geeigneter Dirigent gefunden würde. Trotz intensiver Bemühungen gelang es erst zwei Jahre später, diesen Posten mit Michael Beck würdig zu besetzen. Zu diesem Zeitpunkt standen nur noch sieben Spieler zur Verfügung, die den Grundstock für einen Neuaufbau bildeten. Im Jahre 1986 wechselte das Dirigat, ab Dezember 1986 konnte Marcus Matuszewski für das Orchester gewonnen werden. Im Jahre 1987 wirkte das Wuppertaler Akkordeon-Orchester bereits an sieben Veranstaltungen mit. Höhepunkt dabei war zum 1. Advent ein Konzert mit Werken alter Meister in der Trinitatiskirche in Elberfeld. Eine erfolgreiche Nachwuchsausbildung ermöglichte zu Beginn des Jahres 1989 die Gründung eines Jugendorchesters, das noch im gleichen Jahr an fünf Veranstaltungen teilnahm, so z. B. beim UNICEF- Kinderfest und in der Stadthalle. Nicht weniger erfreulich entwickelte sich das Hauptorchester. Die inzwischen 20 Aktiven beteiligten sich 1988 an den Wertungsspielen in Oberhausen-Sterkrade und erhielten für ihre Interpretation der „Romanze" von Fritz Dobler das Prädikat „ausgezeichnet".
1990 - 1999
An den Wertungsspielen 1990 auf Landesebene nahmen beide Orchester mit sehr gutem Erfolg teil. Im gleichen Jahr feierte der Verein sein 50jähriges Bestehen mit einem besonderen Konzert in der Stadthalle Wuppertal. Nach den Originalnoten und mit den charakteristischen Originalinstrumenten wurde dabei „Peter und der Wolf" aufgeführt. In den Jahren 1992 und 1993 musste das WAO erneut eine beschwerliche Zeit durchleben. Die langjährige Vorsitzende Brigitte Peters gab ihr Amt an Michael Roehr ab, ein Jahr später wurde Bernd Willi Peters Vorsitzender. Der Dirigent beschloss, sich mit einem eigenen Orchesterverein und einer Musikschule selbstständig zu machen. In den neuen Verein wechselten mehr als die Hälfte aller aktiven Spieler. Silke Schneider hatte gerade ihren Dirigentenschein gemacht und wechselte auf Bitten des Vereins vom Elektronium ans Dirigentenpult. Es musste Aufbauarbeit geleistet werden, um aus den verbliebenen Mitgliedern wieder eine leistungsfähige Orchestergruppe zu bilden. Die Jugendgruppe konnte 1995 nicht mehr erhalten werden. Um die Konzerte mit gehobener und auch virtuoser Literatur zu bereichern wurde ein Ensemble gegründet. 1997 übernahm Rosemarie Schwab das Vorstandsamt. Das Orchester spielte inzwischen wieder bei vielen Chorkonzerten mit, gestaltete Altenfeiern und gab erfolgreich eigene Konzerte. Neben dem Ensemble setzte es Solisten aus den eigenen Reihen ein, um auch Werke für Solo und Orchester verwirklichen zu können. Im November 1998 bildete sich neben dem Hauptorchester noch eine Hobbygruppe. Sie sollte es Neu- und Wiedereinsteigern mit weniger Spielfertigkeit ermöglichen, gemeinsam zu musizieren. Dazu werden einfache Stücke der Volks- und Unterhaltungsmusik genutzt. Die Gruppe ist bis heute damit erfolgreich und gern gesehener Gast auf Senioren- oder karitativen Veranstaltungen.
2000 bis heute
2000 wechselte das Vorstandsamt zu Ursula Straßer, 2002 zu Leni Hindrichs, die die Vereinsführung bis 2012 innehatte. Der Verein war zwischenzeitlich Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Vohwinkler Vereine (AGVV) und besserte die Kasse durch die Teilnahme an den Vohwinkler Flohmärkten auf. Um auch die Geselligkeit außerhalb der Proben nicht zu kurz kommen zu lassen, findet mindestens einmal im Jahr ein gemeinsamer Wandertag, ein Ausflug oder eine Vereinsfeier statt. So wurden gerade die Jubilarsfeiern für langjährige Mitgliedschaft groß gefeiert. Probeort des Vereins war seit Mai 1989 „Michas Bahnhof" in Wuppertal-Vohwinkel. Nach Aufgabe der Bahnhofsgaststätte erklärte sich die Deutsche Bundesbahn bereit, den ehemaligen Festsaal der Gaststätte weiter als Proberaum zu vermieten. Bis heute haben das Orchester sowie drei Vohwinkler Chöre hier ihren Sitz. Der Probensaal mit kleiner Bühne bietet zudem Platz für gelegentliche Konzerte in kleinerem Rahmen. 2012 übernahm Thomas Jockisch das Amt als 1. Vorsitzender. Mit ihm verfügt der Verein zudem über einen Co-Dirigenten, der Silke Schneider vertritt und unterstützt. 2015 feierte der Verein sein 75jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde, wie schon zum 50jährigen Jubiläum, der Mendelssohnsaal der Historischen Stadthalle in Wuppertal angemietet. Das Publikum reagierte begeistert auf Orchester und Ambiente. Nach dem ausverkauften Konzert mit vielen Ehrengästen wurde Helga Stöcker für 70 Jahre aktive Mitgliedschaft geehrt. Sie begleitet die Geschicke des Vereins schon seit Kindertagen und konnte auch ihre drei Kinder für das Akkordeonspiel im Orchester gewinnen. 2025 konnte Helga sogar für 80 Jahre aktive Mitgliedschaft geehrt werden Die Corona-Jahre ab 2020 waren entbehrungsreich. Das Orchester hatte mit Probeverboten zu kämpfen und wenig Auftrittsmöglichkeiten, dadurch auch finanzielle Einbußen. Ab 2025 wird das Orchester wieder vermehrt in Alteneinrichtungen nachgefragt. 2023 musste das Orchester die langjährigen Proberäume im Bahnhof Vohwinkel verlassen und ist seitdem bei den Musikfreunden Wülfrath in der Diakonie Aprath untergekommen.
